Sprachentwicklung

Neummann K, Keilmann A, Rosenfeld J, Schönweiler R, Zaretsky Y, Kiese-Himmel C
Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (gekürzte Fassung)
Kindheit und Entwicklung, 2009, 18, 222-231
>> Download Artikel
Kommentar: Die zumindest gelegentliche Konsultation dieser Leitlinien wird allen Verschreibern und Behandlern von Sprachentwicklungsstörung empfohlen.
Abstract: Wesentliche Voraussetzung für eine ungestörte Kindesentwicklung ist ein regelrechter Spracherwerb. Sprachentwicklungsstçrungen (SES) im Kindesalter sind häufig. Für spezifische (isolierte) Sprachentwicklungsstçrungen liegt die Prävalenz bei 6-8%; hinzukommen SES, die mit anderen Störungen assoziiert sind. Da flächendeckende Sprachstandserfassungen im Kindergartenalter, die Kinder mit einem SES-Verdacht einer Diagnostik zuführen sollen, auch in Deutschland in den Blickpunkt rücken und eine erhebliche Unsicherheit in der Diagnosestellung von SES und der Verordnungspraxis für Sprachtherapie besteht, sollen die hier in gekürzter Form vorgestellten, überarbeiteten AWMF-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (Neumann et al., 2008) zum Verständnis der Pathogenese von SES, ihrer Begriffsbestimmung, Diagnostik und Therapie beitragen.
ENGLISH ABSTRACT:
An undisturbed language acquisition is a basic precondition for normal child development. Developmental speech and language disorders are frequent: the prevalence of specific language impairment is 6-8% and additional comorbidities may occur. Universal speech/language screening programs in kindergarten age have become increasingly important, also in Germany. Since there is a considerable uncertainty in both diagnosis of developmental speech and language disorders and prescription of therapy, the revised AWMFguidelines of the German Society of Phoniatrics and Pediatric Audiology (Neumann et al., 2008) are presented here to contribute to a better understanding of the pathogenesis of developmental speech and language disorders, as well as their definition, diagnostic, and therapy.

Euler HA, Holler-Zittlau I, Minnen S, Sick U, Dux W, Zaretsky Y, Neumann K
Psychometrische Gütekriterien eines Kurztests zur Erfassung des Sprachstands 4-jähriger Kinder
HNO, 2010, 58, 1116-1123
>> Download Artikel
Abstract: Hintergrund. Für eine hessenweite Erfassung kindlicher Sprachkompetenz wurde ein psychometrisch geprüftes Verfahren als Voraussetzung für das Kindersprachscreening (KiSS) auf Grundlage einer Revision des Marburger Sprach-Screenings (MSS) entwickelt. Teilnehmer und Methoden. 257 Kinder im Alter von 4;0 bis 4;5 Jahren aus 43 Kindertagesstätten wurden mit einer Testbatterie auf ihren Sprachstand überprüft, davon 214 Kinder erneut nach einem Jahr. Ergebnisse. Die Kennwerte des Kurztests korrelierten hoch mit 2 konkurrenten Sprachscreenings (SSV, HASE) und mit einem Kennwert aus 4 diagnostischen Tests einzelner Sprachkompetenzen (Reynell III, Patholinguistische Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen, PLAKSS, AWST-R). Zur Validität wurde belegt, dass (1) Kinder mit Deutsch als Familiensprache höhere Testwerte hatten als Kinder mit einer anderen Familiensprache, (2) die 3 Monate älteren Kinder höhere Testwerte hatten als die entsprechend jüngeren Kinder und (3) die älteren Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache einen größeren Sprachrückstand hatten als die jüngeren Kinder. Schlussfolgerung. Der Kurztest erfasst aufwandarm, valide und vergleichsweise umfassend den Sprachstand 4-jähriger Kinder.
ENGLISH ABSTRACT:
Background. A psychometrically constructed short test as a prerequisite for screening was developed on the basis of a revision of the Marburger Speech Screening to assess speech/language competence among children in Hessen (Germany). Participants and Methods. A total of 257 children (age 4.0 to 4.5 years) performed the test battery for speech/language competence; 214 children repeated the test 1 year later. Results. Test scores correlated highly with scores of two competing language screenings (SSV, HASE) and with a combined score from four diagnostic tests of individual speech/language competences (Reynell III, patholinguistic diagnostics in impaired language development, PLAKSS, AWST-R). Validity was demonstrated by three comparisons: (1) Children with German family language had higher scores than children with another language. (2) The 3-month-older children achieved higher scores than younger children. (3) The difference between the children with German family language and those with another language was higher for the 3- month-older than for the younger children. Conclusion. The short test assesses the speech/language competence of 4-year-olds quickly, validly, and comprehensively.

Neumann K, Holler-Zittlau I, van Minnen S, Sick U, Zaretsky Y, Euler H A
Katzengoldstandards in der Sprachstandserfassung. Sensitivität und Spezifität des Kindersprachscreenings (KiSS)
eHNO DOI 10.1007/s00106-010-2231-6
>> Download Artikel
Abstract: Hintergrund. Für eine flächendeckende Sprachstandserfassung in Hessen wurde das Kindersprachscreening (KiSS) entwickelt zur Identifikation von Kindern im Kindergartenalter mit sprachpädagogischem Förderbedarf und mit klinischem Abklärungsbedarf.Teilnehmer und Methoden. Zur Ermittlung der klassifikatorischen Verfahrensvalidität durchliefen 257 Kindergartenkinder (Alter 4;0-4;5 Jahre) Untersuchungen mit dem KiSS sowie den Sprachtests Reynell-Sprachentwicklungsskalen, Patholinguistische Diagnostik, Psycholinguistische Analyse kindlicher Sprechstörungen (PLAKSS) und Aktiver Wortschatztest für 3- bis 5-jährige Kinder - Revision (AWST-R). Als Referenzkriterium für den Auffälligkeitsbefund des KiSS diente das Majoritäts- bzw. Konsensurteil dreier ausgewiesener Sprachexpertinnen, denen die Ergebnisse der Sprachentwicklungstests vorlagen. Die Grundraten/Auffälligkeitsraten der Expertinnen waren entweder selbstbestimmt oder prävalenzbasiert vorgegeben.Ergebnisse. Für Letztere wurden wegen besserer Beurteilerübereinstimmung höhere Validitätswerte als für selbstbestimmte Grundraten ermittelt. Für die Kreuztabellierung der im KiSS insgesamt Auffälligen (sprachpädagogisch oder klinisch) mit dem Expertenurteil zu Sprachentwicklungsstörungen (SES) einschließlich Redefluss- und Stimmstörungen (bei vorgegebener Grundrate) waren die Sensitivität 88% und die Spezifität 78%, für Sprachentwicklungsstörungen allein 84% und 75%. Die Spezifitäten für die klinischen Auffälligkeiten im KiSS (SES allein oder kombiniert mit Redefluss- und Stimmstörungen) bezogen auf das testbasierte Konsens-Expertenurteil lagen bei 93%, die Sensitivitäten waren unbefriedigend, da die Unterscheidung zwischen sprachpädagogischer und klinischer Auffälligkeit noch verbesserungsbedürftig war.Schlussfolgerung. Da die Konkordanz der Sprachexpertinnen nur mäßig war, scheint die Entwicklung eines deutschsprachigen umfassenden Referenztests für SES mit evidenzbasierten algorithmischen Entscheidungsregeln erforderlich.
ENGLISH ABSTRACT:
Background. The German Kindersprachscreening (KiSS) is a universal speech and language screening test for large-scale identification of Hessian kindergarten children requiring special educational language training or clinical speech/language therapy.Participants and Methods. To calculate the procedural screening validity, 257 children (aged 4.0 to 4.5 years) were tested using KiSS and four language tests (Reynell Development Language Scales III, Patholinguistische Diagnostik, PLAKSS, AWST-R). The majority or consensus judgements of three speech-language professionals, based on the language test results, served as a reference criterion. The base (fail) rates of the professionals were either self-determined or preset based on known prevalence rates.Results. Screening validity was higher for preset than for self-determined base rates due to higher inter-judge agreement. The confusion matrices of the overall index classification of the KiSS (speech-language abnormalities with educational or clinical needs) with the fixed base rate expert judgement about language impairment, including fluency or voice disorders, yielded a sensitivity of 88% and a specificity of 78%, for just language impairment 84% and 75%, respectively. Specificities for disorders requiring clinical diagnostics in the KiSS (language impairment alone or combined with fluency/voice disorders) related to the test-based consensus expert judgment was about 93%. Sensitivities were unsatisfactory because the differentiation between educational and clinical needs requires improvement.Conclusion. Since the judgement concordances between the speech-language professionals was only moderate, the development of a comprehensive German reference test for speech and language disorders with evidence-based algorithmic decision rules rather than subjective clinical judgement is advocated.

 
   
© 2011 - 2017 PARLO - Institut für Forschung und Lehre in der Sprachtherapie. Alle Rechte vorbehalten