Jugendl. & Erwachsene

Euler, H. A.
Beeinflusst die Reduktion der Länge des Intensivkurses von drei auf zwei Wochen den objektiven Therapieerfolg?
Interner Forschungsbericht
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Abstract: 42 Klienten mit 3-wöchigem Intensivkurs (IK) wurden mit vergleichbaren 42 Klienten mit 2-wöchigem IK in Bezug auf Stotterhäufigkeit (%SS) nach IK und 1 Jahr später verglichen. Die Vergleichsgruppen waren gepaart nach Stotterhäufigkeit vor Kurs, Alter, Geschlecht und Händigkeit. Die Teilnehmer des 2-wöchigen IK reduzierten ihre %SS numerisch stärker als die Teilnehmer des 3-wöchigen IK, sowohl für %SS sofort nach dem IK (von 12.41 auf 0.90 vs 12.42 auf 1.57) als auch 1 Jahr später (auf 2.11 vs 4.25). Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind sofort nach Kurs nicht signifikant, wohl aber 1 Jahr nach Kurs (p=.048), mit einer therapeutisch relevanten Effektstärke von d=.44.

Euler, H. A. & Wolff von Gudenberg, A.
Wie verlässlich kann die Stotterhäufigkeit durch einen passiven Telefonanruf erfasst werden?
Interner Forschungsbericht
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Kommentar: Der Befund, dass die Stotterhäufigkeiten im passiven Telefonanruf ("surprise call") zu Nachuntersuchungszeiten hoch mit den Stotterhäufigkeiten aus den vier Sprechsituationen (Gespräch mit Therapeut, aktiver Telefonanruf, Lesen, Passantenbefragung) korrelieren, ermöglicht kostengünstigere Nachfolgeuntersuchungen. Ziel ist eine möglichst hohe Erfassungsrate fünf Jahre nach der letzten therapeutischen Intervention zu vertretbaren Kosten für Klient und Therapie-Einrichtung.
Abstract: Um eine möglichst hohe Erfassungsrate des Stottern mehrere Jahre nach der Stottertherapie bei vertretbarem Aufwand zu ermöglichen, wurde untersucht, wie hoch die Stotterhäufigkeiten bei einem passiven Telefonanruf bei den stotternden Personen zu Hause mit den im Institut der Kasseler Stottertherapie in vier verschiedenen Sprechsituationen erhobenen Häufigkeiten korrelierte. Vor dem Intensivkurs war die Korrelation hoch, direkt nach dem Intensivkurs war sie wegen mangelnder Merkmalsvarianz nicht vorhanden, und ein Jahr nach dem Intensivkurs war sie sehr hoch. Die kategoriale Übereinstimmung zwischen passivem Telefonanruf und den im Institut erhobenen Daten (auffällig, wenn >2 SS%) zeigte ebenfalls sehr hohe Gütekriterien. Damit ist die Zuverlässigkeit der mit einem passiven Telefonanruf erfassten Stotterhäufigkeiten (Silbenprozent) als Maß bei Nachfolgeuntersuchungen belegt.

Euler, H. A.
Hat der Verzicht auf tiefe Silbenbindung Auswirkung auf den Erfolg des Fluency Shaping?
Interner Forschungsbericht
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Kommentar: Auf tiefe Silbenbindung kann verzichtet werden, weil dies den Therapieerfolg nicht schmälert. Wenn tiefe Silbenbindung nur ungern von manchen Klienten angenommen wird, sollte auf tiefe Silbenbindung verzichtet werden.
Abstract: Die Auswirkung des Verzichts auf tiefe Silbenbindung durch Vergleich von 22 Klienten mit 22 gepaarten Kontrollprobanden mit tiefer Silbenbindung wurde überprüft. Auf die Stotterhäufigkeiten sofort nach Intensivkurs sowie 1 Jahr nach Intensivkurs wirkte sich der Verzicht auf tiefe Silbenbindung nicht signifikant aus. Eine geringfügige positive Auswirkung des Verzichts auf tiefe Silbenbindung ist zukünftig eher zu erwarten als eine abträgliche Auswirkung.

Euler, H. A. & Wolff v. Gudenberg, A.
The Kassel Stuttering Therapy: Do follow-up incentives help maintain fluency shaping effects?
Gross, E Kruse (eds), Aktuelle phoniatrisch- pädaudiologische Aspekte 2001/2002, 9, 106- 110. Heidelberg: Killisch-Horn.
Abstract: Überprüfung, ob Vertrag mit Krankenkasse (Erstattung von Kosten, gestuft je nach Ausmaß des häuslichen Übens am Computer, max. DM 1500). 34 Patienten mit Erstattung, 27 ohne Erstattungsmöglichkeit. Übungsabhängige Kostenerstattung führte zu signifikant vermehrter häuslicher Übung. Von kleinerer Unterstichprobe (19 vs 16 Patienten) Nachfolgedaten 1 Jahr vorhanden. Pt mit Erstattung reduzierten Stottern zu 24% ihres vortherapeutischen Stotterns, Pt ohne Erstattung auf 32%; Unterschied nicht signifikant.

Euler, H. A., Wolf v. Gudenberg, A., Jung, K., Neumann, K.
Computergestützte Therapie bei Redeflussstörungen: Die langfristige Wirksamkeit der Kasseler Stottertherapie (KST).
Sprache Stimme Gehör, 2009, 33, 193-201.
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Kommentar: Untersuchung der längerfristigen Wirksamkeit mit n=69 Klienten 2 und 3 Jahre nach Therapie. Veränderungen der objektiven Unflüssigkeiten von 'vor Therapie' zu '2 J. später' bzw. '3 J. später' zeigten Effektstärken von d>1.1; Reduktion von Stottern von 12.6 Silbenprozent vor Therapie auf 3.2% bzw. 3.8%. Rückfällig vorwiegend im 1. Halbjahr nach Intensivtherapie. Subjektive Stotterdaten zeigen abgeschwächt den gleichen Verlauf. Sprechgeschwindigkeit und -natürlichkeit erhöhte sich leicht. Keine negativen Nebenwirkungen beobachtet.
Abstract: Die Kasseler Stottertherapie (KST) ist ein computergestütztes Fluency-Shaping-Verfahren. 400 Klienten absolvierten den 2- bis 3-wöchigen Intensivkurs. Von einem Teil dieses Kollektivs liegen langfristige Stotterdaten 1 Jahr (n = 238), 2 Jahre (n = 69) und 3 Jahre (n = 69) nach Kurs vor. Die objektiven Unflüssigkeiten in 4 verschiedenen Sprechsituation (% gestotterter Silben, % SS) wurden von vor zu nach Kurs von 12,6 auf 1,6 % SS reduziert und blieben in den folgenden 3 Jahren zwischen 3,2 und 3,8 % SS. Die Veränderungen von vor Kurs zu 1 Jahr später oder danach zeigten Effektstärken von d > 1,1. Rückfälle waren meist vor übergehend und traten gehäuft in den ersten 6 Monaten auf. Subjektive Stotterdaten (Einschätzung der Stotterschwere, Vermeiden von Sprechen / Sprechsituationen) zeigten etwas abgeschwächt über die Messzeitpunkte den gleichen annähernd L-förmigen Verlauf. Sprechgeschwindigkeit und 1-dimensional eingeschätzte Sprechnatürlichkeit erhöhte sich leicht. Eine verdeckte telefonische Erfassung der Stotterhäufigkeit bei einer Unterstichprobe von älteren Kindern zeigte höhere Werte als eine offene Erfassung. Die vorgelegte Dokumentation erfüllt fast alle methodischen Kriterien, die an eine als erfolgreich zu bewertende Stottertherapie zu stellen sind. Die behavioralen Therapiewirkungen werden durch begleitende hirnfunktionelle Neuroimaging-Befunde gestützt.
ENGLISH ABSTRACT:
The Kassel Stuttering Therapy (KST) is a computer- assisted German adaptation of fluency shaping. 400 clients (aged 9 to 65 years) completed the 2- to 3-week in-patient intensive treatment. Long-term data 1 year (n = 238), 2 years (n = 69), and 3 years later (n = 69) are reported. Objective disfl uency rates in 4 diff erent speech situations ( % stuttered syllables, % SS) were reduced from before to after intensive treatment from 12.6 to 1.6 % SS and remained in the following 3 years between 3.2 and 3.8 % SS. The disfluency changes from before therapy to 1 year later or more showed eff ect sizes of d > 1.1. Therapy eff ects were strongest for speech situations with the highest communicative demands (calling an unknown person by phone, interviewing passers-by on the street. Relapses were mostly temporary and most frequent within the fi rst 6 months after intensive treatment. Disfluencies 1 year after the intensive course correlated highly with those 2 years ( rho = .81) and 3 years ( rho = .76) after. Subjective stuttering data (self-rating of stuttering severity and of avoidance of speech or speech situations) showed, somewhat damped, the same approximately L-shaped progress as the objective disfluencies. Speech rates and speech naturalness increased slightly. Covert assessment of disfluency by telephone with a subsample of older children yielded higher rates than overt assessment. Monetary compliance incentives increased the rate of individual home practice after intensive treatment. The presented method fulfils almost all criteria required from a stuttering therapy which may be called effective. Permanent freedom from self-monitoring could be achieved only in a minority of clients. The behavioural data of the therapy effects are supported by parallel functional brain imaging findings in a small sample of clients.

Wolff v. Gudenberg, A., Neumann, K., Euler, H. A.
Die Kasseler Stottertherapie: Evaluation einer computer-gestützten Intensivtherapie.
Forum Logopädie, 2006, Heft 3 (20), 6-11.
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Abstract: Die Kasseler Stottertherapie (KST) ist eine computergestützte Intensivtherapie für jugendliche und erwachsene Stotterer. Sie kann auf eine zehnjährige Erfahrung und ca. 750 therapierte Stotternde zurückblicken. Angelehnt an amerikanische Fluency-shaping-Verfahren wird ein neues weiches und gedehntes Sprechmuster sehr systematisch mit und ohne den PC eintrainiert und in den Alltag übertragen. Seit 1996 hat sich die KST von der Universität Kassel durch einen unabhängigen Wissenschaftler (Prof. Euler) evaluieren lassen und dabei gute Langzeiteffekte bei etwa Zweidrittel aller Klienten gefunden. Dabei wurden objektive Daten des Sprechens über die Parameter Unflüssigkeit, Natürlichkeit und Geschwindigkeit ebenso erhoben wir subjektive Daten über Emotionen und Einstellungen und die Therapiezufriedenheit. Mittlerweile liegen Dreijahresdaten vor, die Fünfjahresdaten werden gerade ausgewertet. Die aktuellen Daten der Hirnforschung über veränderte Hirnorganisation bei Sprechplanung und Durchführung an therapierten KST Klienten untermauern die gefundenen Therapieergebnisse. Da es auch immer ein Anliegen der KST war, internationalen Evaluationskriterien zu genügen und personenunabhängig als Therapiekonzept erfolgreich zu sein, wird die KST auch auf die anerkannten "Bloodsteinkriterien" an eine erfolgreiche Stottertherapie untersucht. Abschließend werden die vermutlich wirksamen Elemente des Therapiekonzeptes beschrieben und die mögliche Bedeutung dieser Intensivtherapie für die ambulante Therapeutenpraxis dargelegt.

Euler, H. A., Wolff von Gudenberg, A., Neumann, K.
Langfristige Wirksamkeit der Kasseler Stottertherapie.
Vortrag gehalten auf dem Kongress der dbl 2005 Kassel, Präsentationsfolien.
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Euler, H. A. & Wolff v. Gudenberg, A.
Die Kasseler Stottertherapie (KST). Ergebnisse einer computergestützten Biofeedbacktherapie für Erwachsene
Sprache Stimme Gehör , 2000, 24, 71-79
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Abstract: Die Kasseler Stottertherapie (KST) ist eine computergestützte Biofeedbacktherapie für Erwachsene, die auf Prinzipien des fluency shaping gründet und Elemente anderer Therapien integriert. Sie umfasst einen 3-wöchigen Intensivkurs und eine 1-jährige Nachsorge. Kurz- und längerfristige Wirkungen der KST auf objektive Sprechunflüssigkeit und subjektive Stottereinschätzungen werden dargestellt. Bisher haben 33 Patienten den Kurs und die Nachsorgephase durchlaufen. Von 21 dieser Patienten sind zusätzlich die Daten einer 2-Jahres-Nachfolgeuntersuchung vorhanden. Vor und nach dem Intensivkurs, 6 Monate, 1 Jahr und 2 Jahre später wurden (1) die Sprechunflüssigkeit in 4 unterschiedlichen alltagsrele-vanten Sprechsituationen ausgezählt und (2) die Selbstbeurteilung des Sprechverhaltens mit 4 Fragebögen erfasst. Die erzielten großen Verbesserungen der Sprechflüssigkeit blieben bei den meisten Patienten längerfristig erhalten. Die Effektwerte waren nicht nur unmittelbar nach dem Intensivkurs, sondern mit einer Ausnahme auch 1 bzw. 2 Jahre später noch groß bis sehr groß. Die mittleren Sprechunflüssigkeiten (Prozent unflüssig gesprochener Silben) lagen vor der Behandlung je nach Sprechsituation zwischen 9.3 und 15.0, unmittelbar nach dem Kurs zwischen 1.0 und 3.1, nach einem halben Jahr zwischen 3.4 und 6.0, nach 1 Jahr zwischen 2.1 und 3.9 und nach 2 Jahren zwischen 1.0 und 3.7. Der partielle Rückfall im 1. Halbjahr nach dem Intensivkurs setzte sich danach nicht fort, sondern wurde zum Teil wieder aufgeholt. Die Selbstbeurteilung des Sprechverhaltens verbesserte sich mit großen Effektwerten. Unerwünschte Nebenwirkungen konnten nicht beobachtet werden. Es gibt begründete Hoffnung, mit dieser Therapie die hohe Rückfallrate der gängigen sprechtechnischen Verfahren zu mindern. Die vergleichsweise geringe Rückfallrate könnte durch das selbstgesteuerte Üben am Computer nach dem Intensivkurs und die Teilnahme an Auffrischungskursen bedingt sein.
ENGLISH ABSTRACT:
The Kassel Stuttering Therapy (KST) is a computer-based biofeedback therapy for adults which is founded on fluency shaping principles but integrates elements of other therapies, with a 3-week intensive therapy course and a 1-year maintenance phase. Short-term and longer-term effects on objective speech fluency and subjective stuttering evaluations are presented for 33 patients. For 21 of these patients, data of a 2-year-follow up are already available. Before and after the intensive course, 6 months, 1 year, and 2 years later the (1) disfluencies in 4 different daily speaking situations were assessed as was the subjective evaluation with four questionnaires. The large short-term improvements in fluency were maintained for most patients. Effect sizes were not only large directly after the intensive therapy, but with one exception also 1 year and two years later. Mean disfluencies (% disfluent syllables) were, depending on speech situation, before therapy between 9.3 and 15.0, directly after therapy between 1.0 and 3.1, after 6 months, between 3.4 and 6.0, after 1 year between 2.1 and 3.9, and after 2 years between 1.0 and 3.7. The partial relapse within the first 6 months after therapy did not continue but was recovered to some extent. The self-evaluations improved with large effect sizes. Undesirable side effects were not observed. It is assumed that the low relapse rate is due to self-controlled practice at the computer and participation at refreshers during the maintenance phase.

 
   
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